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"Eine ganz und gar brillante Einzelstudie..."

Thomas Wörtche im Titel-Magazin über "Die kolumbianischen Paramilitärs" 26. 9. 2009

Eine ganz und gar brillante Einzelstudie mit hohem Generalisierbarkeitsfaktor ist Raul Zeliks Dissertation Die kolumbianischen Paramilitärs. Regieren ohne Staat? Oder terroristische Formen der Inneren Sicherheit. Zelik geht davon aus, dass die beiden Problemfelder „Internationaler Terrorismus“ und „zerfallende Staaten“ noch viel zu sehr auf der Folie von Carl Schmitts wehrmachtsapologetischer Schrift Theorie des Partisanen von 1963 diskutiert werden. Der Zerfall des staatlichen Gewaltmonopols „in Ländern der Peripherie“ führt, laut diesem Denkmodell, zu einer „Enthegung“ der Kriegsführung durch nicht an zwischenstaatliche Konventionen gebundene Irreguläre (Guerilla, Partisanen etc.).

Zelik belegt am Beispiel Kolumbien, dass umgekehrt ein Schuh daraus wird. Rigorose und brutale Durchsetzung politischer und ökonomischer Interessen, sowohl von privatwirtschaftlicher Seite als auch als Großmachtpolitik, lassen sich viel pragmatischer, kostengünstiger und eben in rechtsfreien Dimensionen durch explizite Deregulierung und Privatisierung von Krieg gegen Oppositionen der unterschiedlichste Couleur durchsetzen. Imperiale Eingriffe und das Durchsetzen von Profitinteressen „transnationaler Unternehmen“, die auf Niedriglöhne und gewerkschaftsfreie Zonen setzen, sind mit nicht-staatlichem Terrorismus bestens beraten. „Nicht mehr Gott, sondern Geld garantiert Weltsicherheit“, sagt Norbert Bolz.

Thomas Wörtche

 

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Kopfbild Freddy Sanchez Caballero / Kolumbien