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Werner Hörtner über "Die kolumbianischen Paramilitärs"

aus: Südwind (Magazin für internationale Politik, Kultur und Entwicklung, Wien, Ausgabe 12/2009)

Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien wurden vom Staat zur Bekämpfung der Guerilla, der sozialen Bewegungen, der Menschenrechtsaktivisten und anderer Regime-„Feinde“ ins Leben gerufen. Ab Ende 1978, mit dem Erlass des so genannten Sicherheitsstatuts (Dekret 1923), bekämpfte der kolumbianische Staat vehement und mit terroristischen Methoden – Bombenanschläge, Verschwindenlassen von Personen, Ermordungen – regimekritische oder regimegefährdende Bevölkerungskreise. Staatliche Geheimdienste wurden entweder selbst aktiv oder bildeten Todesschwadronen aus. Als dann ab Beginn der 1980er Jahre zum Schutz vor Entführungen und anderer terroristischer Aktivitäten der Guerilla bewaffnete paramilitärische Selbstverteidigungskommandos entstanden, dauerte es nicht lange, bis diese auch mit Funktionen der staatlichen Aufstandsbekämpfung im Sinne der US-Doktrin der Nationalen Sicherheit betraut wurden.

Diese Gruppen schlossen alsbald Allianzen mit den Großgrundbesitzern, dem Drogenhandel, mit Wirtschaftsunternehmen und wurden durch israelische und britische Söldner weiter ausgebildet.

Im Gegensatz zu anderen WissenschaftlerInnen betrachtet Zelik den Paramilitarismus in Kolumbien nicht als einen Ausdruck von Staatsschwäche, sondern als eine spezifische Form von Staatlichkeit, als eine vom Staat und von politisch-ökonomischen Machtgruppen initiierte informelle Repressionsstrategie. Raul Zelik geht auch auf die im allgemeinen noch wenig erforschten Zusammenhänge von Paramilitarismus und Wirtschaft ein. Der durch das Wirken der paramilitärischen Gruppen verbreitete Schrecken führte zur Flucht von Millionen LandbewohnerInnen und in der Folge dieser massiven Landflucht auch zu einer „Gegen-Landreform“, einer beschleunigten Konzentration von Ländereien in Händen von Großgrundbesitzern und Wirtschaftsunternehmen (Erdöl, Bodenschätze, exportorientierte Agrarindustrie).

Das vorliegende Buch ist nicht nur für den deutschen Sprachraum, sondern auch international ein Standardwerk über den Paramilitarismus in Kolumbien, jene terroristische Form der Herrschaftssicherung, die mit der so genannten Demobilisierung unter Präsident Uribe Vélez keineswegs ein Ende gefunden hat.

Werner Hörtner

http://www.suedwind-magazin.at/start.asp?ID=238297&rubrik=12&ausg=200912

 

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Kopfbild Freddy Sanchez Caballero / Kolumbien