Joseba Sarrionandia
"Der gefrorene Mann"
(Übersetzung: Petra Elser & Raul Zelik)
Roman
| ISBN: 978-3-936738-31-5 | 460 Seiten | Oktober 2007 | 22€
| lieferbar | Blumenbar-Verlag
Eine Hütte an der Atlantikküste Nicaraguas:
Goio, der baskische Krankenpfleger in dem tropischen Dorf, friert
ein. Nicht im wörtlichen Sinne – er verliert Sprache
und Erinnerung. Stumm sitzt er am Fenster und stiert hinaus in den
Regen.
Die aus der Hauptstadt herbeieilende Freundin
Maribel hofft, den Kranken durch eine Begegnung mit der Vergangenheit
von seiner Amnesie heilen zu können, und bricht mit ihm auf,
um einen ehemaligen Schulfreund zu besuchen, der mittlerweile auch
in Lateinamerikfa lebt. Doch Maribel und Goio kommen nicht an ihrem
Reiseziel an. Die beiden, die vor zwanzig Jahren aus politischen
Gründen aus Spanien geflohen sind, müssen mit gefälschten
Papieren reisen. In Kolumbien werden sie in einer Militärkontrolle
vorübergehend verhaftet und tauchen in einer Nervenheilanstalt
unter, die von den Kindern eines Auswanderers geleitet wird.
In drei verschiedenen Stimmen und Zeiten entfaltet
sich nun der Roman: die Geschichte einer Flucht, die Erinnerung
an ein Schuljahr im Spanien der frühen siebziger Jahre und
die phantastische Erzählung einer Reise zum Südpol –
einer tatsächlich fast vollständig gefrorenen Welt.
Joseba Sarrionandia hat das Schicksal der mehr
als tausend baskischen Flüchtlinge als Stoff gewählt,
die – wie Sarrionandia selbst – bis heute in der Illegalität
leben. Und doch hat er weniger ein Buch über den bis heute
ungelösten baskischen Konflikt geschrieben. Viel eher geht
es Sarrionandia, der facettenreich und mit zahlreichen Verweisen
auf die Klassiker der Weltliteratur zu erzählen vermag, um
die großen menschlichen Fragen: Einsamkeit, Freundschaft,
Krankheit, Tod und vor allem: das Wesen der Erinnerung, der letzten
verbliebenen Brücke des Exilanten nach Hause.
Zum Autor:
Joseba Sarrionandia, geb. 1958 in Iurreta (in der Nähe
von Bilbao), gilt im Baskenland als lebende Legende und gehört
zu den schillerndsten
Autoren weltweit. 1977 gründete er gemeinsam mit dem Schriftsteller
Bernardo Atxaga und dem Musiker Ruper Ordorika die avantgardistische
Zeitschrift POTT, die maßgeblich zur Entwicklung der modernen
baskischen Literatur beitrug. Etwa zeitgleich trat Sarrionandia
aus Empörung über die politische Kontinuität nach
dem Ende der Franco-Diktatur der Untergrundorganisation ETA bei.
1980 wurde er verhaftet, schwer gefoltert und wegen mehrerer Banküberfälle
zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Fünf Jahre
später gelang ihm auf spektakuläre Weise die Flucht. Zusammen
mit einem Mitgefangenen wurde er nach einem Konzert in einer Lautsprecherbox
aus dem Gefängnis geschmuggelt. Er floh über Frankreich
und die Tschechoslowakei nach Algerien, wo sich seine Spuren verlieren
WDR Funkhaus Europa (Oktober 2007):
„"Großartige
Literatur! ... Dem Münchner Blumenbar Verlag kann man zu diesem
Buch nur gratulieren. Denn "Der gefrorene Mann" ist faszinierende,
spannende und genussreiche Literatur und ein ganz "heißer"
Lektüretipp!"
Spiegel Kultur (Dezember 2007):
"In seltenen Fällen weiß
man beim Rezensieren nicht, wer spannender ist: das Buch oder sein
Autor. Joseba Sarrionandias "Der gefrorene Mann" ist so
ein Roman."
Zu den kompletten Rezensionen.