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Mit dem von Jochen Becker und Stephan Lanz
herausgegebenen Band »SPACE // TROUBLES« liegt die erste
Veröffentlichung der Reihe metroZones vor. metroZones begleitet über
die nächsten zwei Jahre das an der Berliner Volksbühne stattfindende
Projekt »ErsatzStadt«, das in unterschiedlichsten
Präsentationsformen und -foren »Metropolen im globalen Maßstab, ihre
städtischen Alltagspraktiken und räumlichen Aneignungsformen«
untersucht. »SPACE // TROUBLES« dokumentiert das Ende letzten Jahres
zum Projektauftakt abgehaltene Symposion »Jenseits des Guten
Regierens: Schattenglobalisierung, Gewaltkonflikte und städtisches
Leben«. Der im Titel verzeichnete Begriff des »Guten Regierens«
bezieht sich auf das Konzept der »Good Governance«, wie es
maßgeblich durch die »Weltkonferenz zur Zukunft der Städte URBAN 21«
(EXPO 2000) als weltweite kommunale Regierungsform propagiert wurde.
Das Ziel der globalen Instituierung von »nachhaltigen städtischen
Demokratien« wurde hier unter der Annahme verhandelt, dass
divergierende soziale, politische und ökonomische Interessen
scheinbar problemlos zu harmonisieren seien. Denn, so der
Abschlussbericht »Die Stadt wiedererfinden – Urbane Zukunft 21«:
»Alle Menschen in allen Städten der Welt werden gemeinsame Anliegen
teilen: Sie wollen bezahlbare Häuser besitzen, anständig entlohnte
Arbeit finden, Zugang zu sauberer Luft, Wasser, modernen
Sanitäreinrichtungen und bezahlbarer Gesundheitsversorgung haben,
ihre Kinder in gute Schulen schicken […] und das Gefühl haben, dass
sie als wahrhafte treuhändische Verwalter in ihren Städten leben.«
[1]
Im Dialog zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft
sollte die Umsetzung dieser Wunschliste des guten städtischen Lebens
nach der zentralen neoliberalistischen Maßgabe erfolgen, dass
regionale Märkte zu öffnen und staatliche Leistungen zu
privatisieren wären, um die »internationale Wettbewerbsfähigkeit«
der Städte als Motor des urbanen Wohlstands zu fördern. Urbane
Lebensräume jenseits der Ideologie des »Guten Regierens« zu denken,
heißt hingegen für die in »SPACE // TROUBLES« versammelten Beiträge,
abseits hegemonialer Zukunftsvisionen in detaillierten Fallstudien
eine Bestandsaufnahme städtischer Raumordnungen, sozialer
Konfliktlinien und lokaler Gewaltmärkte zu leisten, welche die
unterschiedlichen (postkolonialen) Metropolen der Gegenwart prägen.
In den Blick rücken somit die Schattenseiten der kapitalistischen
Globalisierungsdynamik: die Kriegs- und Krisenökonomien des globalen
Südens. So beschreibt etwa Raul Zelik in einem dichten Essay die
gewalttätigen informellen Prozesse sozialer und militärischer
Organisation, die sich im kolumbianischen Medellín an der
Schnittstelle zwischen lokalem und globalem Drogenhandel
herauskristallisieren. Julia Eckert analysiert den Aufstieg der
»Shivsena« in Bombay, und zeigt, wie es dieser militanten
Organisation der Hindu-Rechten gelang, die Erosion staatlicher
Dienstleistungen und traditioneller zivilgesellschaftlicher
Integrationsformen auf lokaler Ebene zu kompensieren und so große
Teile der Hindu-Bevölkerung für ihre brutale Segregationspolitik
gegen indische Muslime zu mobilisieren. Ähnliche Logiken
identitätspolitischer Mobilmachung, welche die Absenz oder
Schwächung des staatlichen Gewaltmonopols ausnutzen, beobachtet
Johannes Harnischfeger in Lagos und Klaus Schlichte in den
Gewaltordnungen Kampalas. Katja Diefenbach wiederum liest diese
»Symptome einer neuen, nachstaatlichen Ordnung« im Kontext der
westlichen Politik des »gerechten Krieges«, und Anne Jung
thematisiert die prekäre Rolle der NGOs in der Kriegsökonomie
Angolas. Insgesamt liegt die Leistung von »SPACE // TROUBLES«
darin, in lokalen Diagnosen die jeweilige Spezifizität urbaner
Gewaltordnungen und deren globale Bedingungsstrukturen
herauszuarbeiten. Die Stadt im Zeichen des »Guten Regierens«
»wiederzuerfinden« wird so bereits auf deskriptiver Ebene als
ideologisches Phantasma entlarvt, das nur unter der Verdrängung der
komplexen Realität bestehender Konfliktkonstellationen und im
blinden Vertrauen auf die harmonisierende Kraft einer diskursiven
urbanen Vernunft aufrecht zu erhalten ist, um den Prozessen eines
globalisierten Neoliberalismus vorauseilenden Gehorsam zu leisten.
Die Frage jedoch nach alternativen Konzepten der
Konfliktvermittlung, die im Wissen um die Verflechtung lokaler wie
auch globaler Gewaltzusammenhänge operieren, bleibt auch in »SPACE
// TROUBLES« unbeantwortet.
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