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Raul Zelik Raul Zelik
Bastard – Die Geschichte Der Journalistin Lee [21.04.04]

Assoziation A, 237 S., EUR 15,-

»Raul Zelik könnte so etwas wie der Manu Chao der deutschen Popliteratur werden«, das findet die Süddeutsche Zeitung, und auf diesen Chao-Zelik-Vergleich ist der Autor sicher mächtig stolz. Klingt so nach neuem Movement im Kulturbetrieb, nach frechem attac!-Style und antiglobalem Schreib-Schick. Bei Lichte betrachtet ist das völliger Blödsinn. Raul Zelik schreibt weder so inbrünstig empathisch, wie Manu Chao singt, noch macht er überhaupt Popliteratur. Wenn schon Vergleiche zur Popmusik bemüht werden, dann hat Zeliks Stil etwas von der gebrochen-subversiven, hoffnungslos-hoffnungsvollen Haltung eines Frank Spilker (auch wenn der Sound der Sterne nicht unbedingt der geeignete Soundtrack zu Zeliks Romanen ist). Sein mittlerweile dritter Roman ›Bastard – Die Geschichte Der Journalistin Lee‹ erzählt einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben der Carla Lee, einer jungen Dortmunderin, die sich auf den Weg nach Korea macht, dem Land ihres Vaters, um dort nach irgendwas zu suchen. Carlas Kumpel Cem, ein liebenswerter und im Gegensatz zu Carla fast ausgeglichener Kerl, der aus dem sauerländischen Iserlohn stammt, begleitet Carla – nicht physisch, aber in Erinnerungen, Briefen und Gedanken. Zelik vermeidet von Beginn an Eindeutigkeiten und Klischees. Die Charaktere stecken in Widersprüchen, und manchmal müssen sie sich erbärmlich darin winden. »Alles ist so süß und zuckrig, klebrig vermutlich« und »Hält dich das aus, was dich aufhält, gehörst du dazu, und wie hältst du das aus?« hört man Spilker manchmal im Hintergrund raunen. Dass Raul Zelik eben keine deutsche Popliteratur schreibt, zeigt schon der Aufwand an Erzählperspektiven, den er betreibt. Seine Geschichte ist spannend, ohne spektakulär zu sein. Die Art, wie er seine Figuren leben, scheitern und hoffen lässt, ist außergewöhnlich und eben alles andere als die übliche deutsche Mittelstandsnarkose.


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Autor: Hannes Loh
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