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Raul Zelik erzählt die Geschichte des Berliners
Alex, der sich auf die Reise ins Baskenland macht. Seine Reisegeschichte
verknüpft sich mit der Historie der ETA.
Alex, Mitte Dreißig, Berliner, reist für
sechs Monate ins Baskenland, Begleitet wird er in den ersten Wochen
von seinem Geliebten. Er hält losen Kontakt zu seiner vierjährigen
Tochter und deren Mutter, mit der er nie richtig zusammen war, und
er soll an einem politikwissenschaftlichen Forschungsprojekt zu
Europa mitarbeiten. Klingt nach einem spannenden, abwechslungsreichen
Leben, nach privaten und politischen Visionen, fühlt sich für
Alex aber anders an, falls man seinen Zustand überhaupt als
Gefühl bezeichnen kann.
"Der Eindruck, von nichts wirklich berührt
zu werden. Manchmal habe ich das Gefühl, überhaupt keine
Gefühle zu haben, emotional inexistent zu sein: Ich kann mich
verhalten, als sei ich normal, Bekannte würden mich vielleicht
sogar als herzlich bezeichnen, doch im Grunde bin ich oft nur von
Gleichgültigkeit erfüllt."
Dieser Zustand ändert sich, nicht schlagartig
aber schleichend, nachdem ein Freund aus alten Zeiten wieder in
Alex Leben tritt: Zubieta hat Mitte der 80er Jahre einem baskischen
Schriftsteller zur Flucht aus dem Gefängnis verholfen, ist
seitdem untergetaucht, und gerade zu einer der wichtigsten Anführer
der Eta ernannt worden. Zubieta bittet Alex um Hilfe, und der lässt
sich darauf ein, den gesuchten Terroristen mit dem Auto durch Spanien
zu fahren.
Mit "Der bewaffnete Freund" erzählt
Autor Raul Zelik die Geschichte der ETA vor allem aus der Perspektive
der Untergetauchten. Allerdings will er nicht nur auf die Situation
im Baskenland hinweisen.
"Es gibt ja auch einen ganz starken Terrorismusdiskurs,
der auch ganz stark in der inneren Sicherheitsdebatte genutzt wird
und das Buch hat natürlich schon eine inhaltliche Funktion
nämlich auch darüber zu reden, dass es eine andere Seite
des Terrors gibt, ich sag nur Schlagwort "Guantanamo"
die genau so grässlich ist wie Autobomben, die explodieren.
Und diese andere Seite, dieser sich ausbreitende
Ausnahmezustand, der ja von den westlichen Regierungen auch zum
Regierungsprogramm erhoben wird, der hat unglaublich brutale Kehrseiten.
Also im Baskenland, in dieser Region mit gerade mal drei Millionen
Einwohnern hat es 7000 Folterungen allein in den Jahren der Demokratie
gegeben. Es hat Todesschwadronen gegeben wie in Lateinamerika. Und
das ist eigentlich unvorstellbar, dass es systematische Folter in
einem westeuropäischen Land gibt und kein einziges westeuropäisches
Medium darüber in ernsthaftem Ausmaß berichtet, da fragt
man sich doch: In was für einer Europäischen Union leben
wir eigentlich?"
Erwartbarerweise handeln die Gespräche
von Alex', dem Berliner Linken und dem Terrorchef Zubieta von Idealen,
von politischen und vom Ideal der Freundschaft. Von der Frage, für
welche Ideale es sich zu kämpfen lohnt und mit welchen Mitteln.
Immer wieder klagt Alex die Morde der ETA an, 800 Tote in den letzten
30 Jahren. Politische Überzeugungen in Dialogform gebracht
klingen oft formelhaft, wie ein Manifest.
Bei Raul Zelik überhaupt nicht. Die Dialoge
zwischen Alex und Zubieta wirken echt und glaubhaft. Keine Schlagworte
des politischen Kampfs, keine absoluten Wahrheiten oder Phrasen.
Was daran liegen mag, daß Zelik seine Figuren nicht als eindimensionale
Überzeugungsträger anlegt. Raul Zelik ist ein politischer
Autor. Er hat in Südamerika und Spanien gelebt, zur Lage im
Baskenland hat er sich auch schon in nichtliterarischen Texten geäußert
" In Lateinamerika in ganz vielen Orten,
wenn man auf soziale Projekte trifft von Bauernorganisationen oder
so, trifft man ganz oft auf baskische Internationalisten, viele
Leute, die auch noch Ende der 70er Jahre geflohen sind und seitdem
auch dort leben. Und da sind viele Diskussionen auch eingeflossen,
die ich dort auch geführt habe. Also, die Person "Zubieta"
- da fallen zwar mehrere real existierende Personen zusammen, aber
es sind natürlich auch Personen, die mir nah sind. Und deshalb
war des jetzt nicht so schwierig, da ne Stimmung zu konstruieren."
Am Ende ihrer Reise, sind Alex und Zubieta,
jeder auf seine Weise zumindest für den Moment, befreit. Ein
offener, positiver Schluß. Für ein Happy End hätte
Raul Zelik die politische Realität ignorieren müssen.
Seine Stärke liegt darin, daß er sie sehr gut kennt,
und ebenso gut literarisch verarbeiten kann. Zu einer politischen
Bestandsaufnahme, zu einem spannenden Roadmovie und einer Parabel
über Freundschaft. Und das alles in einem Roman!
Der Roman ist im Blumenbar-Verlag 2007 erschienen,
287 Seiten, 18 Euro.
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Raul Zelik, "Der bewafftnete Freund";
Bild: Blumenbar Verlag
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