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Berliner Verhältnisse ist ein
Glücksgriff. Enstanden aus einem gemeinsamen Drehbuch von Raul Zelik
und Detlev Buck wird hier brilliant mit Kreuzberger
Alternativen-Klisches gespielt ohne dabei die Contenance zu
verlieren. Mario, Single, Anfang 30, lebt in einer WG in der
Adalbertstraße. Er kommt mäßig über die Runden, klauft zufrieden und
aus idealistischen Beweggründen in Nobelgeschäften das Nötigste zum
Leben ein und alles scheint Friede, Freude, Sonnenschein, wenn da
nicht die altersbedingte Lärmintoleranz wäre. Er wird hart auf die
Probe gestellt als die wohnungslosen rumänischen Nachbarn, die
vergeblich auf ihre Schwarzlöhne vom Bau am Potsdamerplatz warten,
unbegrenztes Asyl in der WG in Anspruch nehmen. Um der
Jugendzentrumsatmosphäre ein Ende zu bereiten, beschließt er mit
seinen Mitbewohnern, die Löhne auf eigene Faust einzutreiben und
zieht damit ein ungewolltes, aber rentables Inkasso-Unternehmen auf.
Alles gerät vollkommen außer Kontrolle, als plötzlich sein
Immobilienlöwen-Bruder und eine attraktive neue Bekanntschaft mehr
damit zu tun bekommen, als gut für diese Mehrecksbeziehungen ist.
Hier treffen Anzugträger, Schwarzarbeiter, Asylbewerber, Hippies,
Kuba-Sympatisanten und ein Mann mit einem rosa Hasenkostüm
ungefiltert aufeinander. Raul Zelik portraitiert scharfsinnig und
stimmig eine Subgesellschaft, die immer ein wenig in den 80ern
hängen geblieben ist und deren Political Correctness-Anspruch alles
ein wenig verkompliziert und ins Lächerliche gleiten lässt. Er
schreibt flott und überzeugend über eine Gruppe von Menschen, die
rührend verkopft an ihren Idealen festhält und dabei liebenswürdig
von einer Ideologiefalle in die andere stolpern. Wer wen, sein Geld
oder Recht bekommt bleibt bis zum Schluss unklar und löst sich
überraschend unerwartet auf. EUR 18
sandra
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