colau Muss man vielleicht noch mal erklären, was gestern in Spanien passiert ist: Das war nämlich alles andere als ein Sieg von Podemos. Als letztes Jahr darüber diskutiert wurde, wie die Bewegungen die Institutionen stürmen könnten, haben die einen (wie Ada Colau) gesagt: von unten, aus den Stadtteilen, mit der Politik in der ersten Person: Ich / wir selbst sind das Politische. Das war der Ansatz von Guanyem / Ganemos, aus denen die Kandidaturen in Madrid und Barcelona entstanden sind.

Pablo Iglesias und andere dagegen haben gesagt: Zu klein gedacht. Wir müssen mithilfe des Fernsehens - und d.h. der repräsentativen Politik - ganz oben ansetzen und die Regierung erobern: also eher Politik in der dritten Person.
Diese Haltung bei Podemos hat sich zuletzt zugespitzt. Sie reden wie Politikexperten, die regieren wollen, aber darum - wir erinnern uns - ging es am 15M nicht. Da hieß es nämlich: Ihr repräsentiert uns nicht, wir erfinden die Demokratie neu.

Auch die Lesart der Partei-Linken, also von Izquierda Unida, überzeugt mich nicht. Alberto Garzón (Vorsitzender der spanischen Linken) hat gestern gesagt, die Unidad Popular (Volkseinheit) habe gewonnen. Die Frage ist, was man darunter versteht: Früher zumindest waren das immer Koalitionen und Parteienbündnisse, aber  Guanyem / Ganemos hat genau darauf nicht gesetzt, sondern auf eine Bürger/innen-Plattform-Bewegung, bei der die Kandidaten in offenen Wahlen bestimmt wurden. Sie haben da teilweise Abstriche machen müssen, weil linke und grüne Parteien, die die Plattformen unterstützt haben, bei so viel Basisdemokratie nicht immer mitziehen wollten, aber im Großen und Ganzen waren BarcelonaEnComú und Ahora Madrid trotzdem keine Parteienbündnisse, sondern "confluencias populares", offene Plattformen von unten gegen die repräsentative Politik.

Deswegen hat gestern, so würde ich das sehen, der 15M erstaunliche Lebendigkeit unter Beweis gestellt. Für Podemos dagegen stellt sich die Frage, ob man die eigene Strategie zur Disposition stellt. Und für uns alle zeigt sich, dass sich die Politik durchaus neu erfinden lässt.

 

 

 

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